NN: Keine Propaganda, bitte sehr!

von André Freud:

In den NN von heute findet sich auf S. 4 ein großes Bild und wenig Text unter der Überschrift: „Alle Proteste waren vergeblich: Israels Sperrwall ist zehn Jahre alt“. Dieses Bild zeigt eine sehr hohe Betonmauer, die von einem schwarz Vermummte „zertreten“ wird. Durch die Überschrift wird so getan, als sei die Grenzanlage etwas, wogegen man protestieren sollte.

Soweit die Propaganda. Und nun bitte wieder Kontakt zur Wirklichkeit herstellen!

Auf 97 % seiner Länge ist die Grenzschutzanlage ein Zaun, wie im oberen Bild zu sehen. Israel sperrt mit dieser Anlage niemanden ein, sondern Terroristen aus. Die Anlage wurde ab 2003 errichtet (also vor neun Jahren, Ihr Rechenkünstler, und nicht vor zehn!). 2003 gab es in Israel 135 Tote, die von Mördern aus dem Westjordanland getötet wurden. 2004 sank die Zahl auf Null. (Quelle: Wikipedia).

Was erwartet die NN von Israel? Daß es seine Grenze unbewacht läßt, damit Terroristen mit ihren Bomben ungehindert ihre Morde begehen können?

Ich begreife nicht, warum die Nürnberger Nachrichten so einen Propaganda-Schmus voller Unwahrheiten abdrucken, warum sie sich zum Handlanger für antiisraelische Hetze machen. Pfui!

 

 

 

Nachtrag vom 24.06.2012:

Guten Tag, Herr Escher

Im Nachgang zu unserem gestrigen Gespräch fielen mir am Samstag bei der Lektüre der NN vom 22./23. Juni 2012 zwei Beiträge auf.

Da ist zum einen das Interview mit Günter Wallraff auf Seite 4. Dort sagt Wallraff u.a.: (Ich sehe…) „BILD nach wie vor in der Rolle eines gemeingefährlichen Triebtäters“, „Das ist das Phänomen des Triebtäters“, „Als Wulff sich dann sehr für die Integration einsetzte und sagte, der Islam gehöre zu Deutschland, da hat man ihm die Rote Karte gezeigt, er wurde zum Abschuß freigegeben“; hier fällt auch das Wort vom „Fangschuß“, also einem Schuß, der nicht nur verletzen, sondern töten soll – ein Ausdruck aus der Sprache besonderer Polizeieinheiten und, vor allem, der Jägerei.

Im abgedruckten Interview nimmt der Fragende, Herr Goltz, keine dieser Äußerungen zum Anlaß, nachzufragen oder bei gewissen Formulierungen Distanz erkennen zu lassen.

Durch diese Form des Interviews wird Herrn Wallraff ein unkritisches Podium für seine menschenverachtenden Formulierungen gegeben. Kein redaktioneller Beitrag, sei es optisch in der Nähe des „Interviews“ (man könnte es auch eine Pressemitteilung nennen) oder anderswo in den heutigen NN, ließe eine ins Sachliche gehende Behandlung des Themas erkennen.

Zugleich wäre nach verschiedenen aktuellen Vorwürfen gegen Günter Wallraff ein solches Interview gute Gelegenheit gewesen, ihn danach zu befragen, ob an diesen Vorwürfen etwas dran ist – was freilich unterblieb.

Das war das eine, was mir auffiel. Das andere: In einem Kommentar auf S. 2 der gleichen Ausgabe der NN wenden Sie sich, Herr Escher, gegen diverse Aspekte der bayerischen Bildungs- und Sozialpolitik. Sie unterstellen, daß es in Bayern eine „Regelungswut“ gäbe, daß die „Kultusbürokratie“ „mit ihrem Latein am Ende ist“, also: nicht mehr weiter weiß. Sie geben den Inhalt einer Studie wieder, daß jeder fünfte nicht recht lesen und schreiben kann – aber Sie tun dies, nachdem sie über Bayern sprachen. Die Studie jedoch bezieht sich auf die gesamte Bundesrepublik Deutschland – was Sie Ihren Lesern allerdings verschweigen. Ich biete Ihnen eine Wette an, Herr Escher, daß der Prozentsatz in Bayern signifikant niedriger ist.

Zuletzt schreiben Sie, Herr Escher, daß im Bildungsbericht vor dem Betreuungsgeld „gewarnt“ werden würde. Das ist nicht zutreffend. Tatsächlich ist es so, daß die Ersteller der Studie vor einer ihrer Ansicht nach möglichen Gefahr warnten, daß die Mittel fürs Betreuungsgeld bei den Ausgaben für Bildung fehlten und somit keines der gewünschten Ziele würde erreicht werden können. Dies wurde von Cornelia Quennet-Thelen vom Bundesbildungsministerium zurückgewiesen, da die Mittel fürs Betreuungsgeld „on top“ kämen.  In Ihrem Kommentar suggerieren Sie, so meine Wahrnehmung, als riete die Studie inhaltlich vom Betreuungsgeld ab. Das tut sie nicht.

Warum schreibe ich Ihnen das? Nun, Sie und ich trafen uns vergangenen Freitagnachmittag, nachdem ich Ihnen ein solches Gespräch vorgeschlagen hatte. Sie wünschten, daß aus diesem Gespräch nichts verwendet werden dürfe; ich ließ mich darauf ein – auch wenn dieser Aspekt nur Ihnen nützt und mir nur schadet -, weil ich wissen wollte, was der Hintergrund des Ganzen war.

Ich sagte Ihnen zu, den Artikel, um den es geht – „NN: Keine Propaganda, bitte sehr“ – erneut darauf zu überprüfen, ob in meinen darin gebrauchten Worten Formulieren enthalten sind, die eine Herabwürdigung ad personam zum Ziel haben oder wenigstens, auch ohne Böswilligkeit, so verstanden werden können.

Ich nannte den Bildtext „Propaganda“, nicht nannte ich den mir damals unbekannten Verfasser einen Propagandisten. Der von mir als „Propaganda“ kritisierte Text behandelte den vorgeblichen zehnten Jahrestag der Errichtung der israelischen Sperranlagen gegenüber dem Westjordanland. Zunächst stelle ich klar: Ob es nun, wie in der dpa-Meldung behauptet, der zehnte Jahrestag der Errichtung der israelischen Sperranlagen war oder nicht, konnte ich nicht letztgültig klären. Es scheint mir sich so zu verhalten, daß die Grenzanlagen, die eine Forderung einer Bürgerbewegung waren, ab 2002 geplant und ab 2003 gebaut wurden (u.a. deutsche und englische Wikipedia). Andere Quellen nennen einen Beginn der Arbeiten im Jahr 2002 (SPON). Ich interpretiere deswegen, weil die Zahlen der Opfer palästinensischer Terroristen aus dem Westjordanland erst 2004 sanken, die Quellen so, daß womöglich die Arbeiten 2002 begannen, aber erst ab 2003 eine grenzsichernde Wirkung geschaffen war – das aber ist Interpretation. Ich weiß nicht und konnte nicht eruieren, mit welchem Bezug die diversen Daten gegannt werden.

Sofern ich in meinem genannten Beitrag die Formulierung „also vor neun Jahren, Ihr Rechenkünstler, und nicht vor zehn!“ gebrauchte, lag ich womöglich daneben. Das räume ich ein, und der süffisante Angriff „Ihr Rechenkünstler“ war unangemessen. Ich bedaure ihn.

Anders jedoch verhält es sich beim Vorwurf, einen radikal einseitigen Text abgedruckt zu haben, ohne ihn als radikal einseitig gekennzeichnet zu haben. Der Text ist ein klar propagandistischer Text. Ich beziehe mich hierbei auf zahlreiche Definitionen, denen zu eigen ist: Propaganda ist die Verbreitung einer Meinung unter Verwendung gewisser Mittel, von denen am häufigsten genannt wird die Weglassung von Informationen einerseits und die Manipulation der enthaltenen Informationen andererseits. Ich erhalte den Vorwurf aufrecht, daß in dem inkriminierten Artikel Informationen weggelassen wurde und Informationen manipuliert wurden.

Weggelassen wurde, daß die Sperranlage von Israel aus Schutzgründen errichtet wurde, um bewaffneten Mördern und Terroristen den Zugang nach Israel zu verwehren – was zu 0 Toten im Jahr 2004 führte, nachdem es 2003 noch 135 Tote waren.

Manipulativ wurde durch das Photo der Eindruck erweckt, daß die Grenzschutzanlage eine Mauer sei; aber sie ist nur auf 3 % der Strecke eine Mauer, ansonsten lediglich ein Zaun. Auch die durch das Bild herbeigeführte Parallele zur Berliner Mauer wurde durch den Begleittext nicht aufgehoben.

Daher nenne ich diesen Text einen propagandistischen Text. Diese Aussage ist belegbar.

Allerdings will ich anerkennen, daß das Wort „Propaganda“ bei vielen einen abwertenden Beigeschmack hat. Das hat wohl weniger mit der Herkunft des Wortes (katholische Missionsarbeit) noch mit der stalinistischen oder sonst sozialistischen Propaganda während des kalten Krieges zu tun (an der sich in Deutschland ja kaum noch jemand stört), sondern vor allem mit einer gewissen, anderen Propaganda. Aber daraus mir den Vorwurf zu machen, ich setzte hier irgend etwas gleich, ist nicht angebracht. Ich griff auch nicht den mir damals unbekannten Verfasser des namentlich nicht gezeichneten Artikels als Person an, sondern das Produkt seiner Arbeit – und das ist keineswegs dasselbe. Die Wortbedeutung „Propaganda“ rechtfertigt den Gebrauch des Wortes in Bezug auf den Artikel. Von einer darüber hinausgehenden Bedeutung, die nicht sachlich geboten ist, aber möglicherweise mitgedacht worden ist, distanziere ich mich: das habe ich nicht gesagt und auch nicht gemeint; ich drücke mich wohl klar genug aus, um meine Worte nicht auch noch einer radikalisierenden Exegese unterziehen lassen zu müssen. Wenn der gleiche Autor mehrfach ähnlich gelagerte, radikal einseitige und manipulative Text brächte, ohne sie klar als „radikal einseitige Meinung“ zu kennzeichnen, dann müßte man wohl den Autoren direkt beim Namen nennen und kritisieren. Aber das geschah in meinem Artikel nicht.

Ich komme auf die einleitenden Worte dieses Beitrags zurück. Mir erklärt sich nicht die Diskrepanz zwischen dem verbalen Austeilen einerseits und der Empfindsamkeit andererseits. Den Wallraff lassen Sie als Zeitung solche Sachen wie die vom „gemeingefährlichen Triebtäter“ – die in einem gewissen Ausmaß natürlich auf Bild-Chefredakteur Diekmann zu beziehen ist – sagen, fragen aber nicht nach, distanzieren sich in keiner Weise davon und müssen sich dann – als Zeitung, als Gesamtheit – möglicherweise schon die Frage gefallen lassen, ob Sie sich durch dieses Verhalten die Worte nicht möglicherweise zu eigen machen. Die mir sehr mißhagenden, wie ich darlegte: durchaus auch manipulativ zu nennenden Darstellungen im Bildungskommentar erwecken beim Leser (so, wie ich das sehe) einen falschen Eindruck dessen, was war. Ich weiß nicht recht, ob es an einer solchen Zeitung ist, auf mich als ihren Kritiker loszugehen, oder ob es nicht eher daran wäre, einige Aspekte der eigenen Arbeit zu überprüfen und zu hinterfragen, ob sich dies mit dem eigenen Auftrag noch vereinbaren läßt.

 

Für mich ist damit die Angelegenheit zu diesem Artikel erledigt.

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11 Kommentare

  1. achkommt wassolldas sagt:

    Kleiner Fehler: Das ist keine“Grenze“, die Israel verteidigt, sondern höchstens eine „Linie“. Von Grenze sprechen nur antiisraelische Hetzer. Eine Grenze kann es erst geben, wenn sie im Rahmen voin Verhandlungen und einem Friedensabkommen festgelegt wird.

  2. Das ist natürlich richtig. Ich schlage vor, das Wort „Grenze“ in diesem Artikel nicht de jure, sondern de facto zu verstehen. Dann paßt es wieder!

  3. Patrick sagt:

    Woher kommen die Nürnberger Gesetze schon wieder? Ach ja von Nürnberg!

  4. Diese fundamentale Wahrheit war es also, die auszusprechen, den Herrn Escher so störte, hatte er doch seinen Lesern die Lüge von den bösen mauerbauenden Juden suggerieren wollen. Seit Grass und Augstein habe ich überhaupt keine Lust mehr, mich mit solchen Leuten überhaupt noch auseinander zu setzen. Sie sind einfach nur noch bloßzustellen.
    Vielen Dank, Andre Freud.

  5. Nachtrag: In den „Nürnberger Nachrichten“ von heute wurde ein Leserbrief abgedruckt, der die gleiche Kritik äußert wie dieser Beitrag. Der Leserbriefschreiber, dem ich für seine Mühe danken möchte, war in seiner Wortwahl etwas weniger drastisch, als ich es hier für gewöhnlich bin; inhaltlich sagte er das gleiche. Die Tatsache, daß die NN diesen Leserbrief abdruckte, werte ich einmal – AGF, always good faith, immer das Gute annehmen – als ein leises Eingeständnis der Redaktion der NN, daß man mit dem kritisierten Artikel gewaltig daneben gegriffen hatte.
    Natürlich ändert das nichts an der Kritik. Auch werden Artikel mit Bild auf einer der vorderen Seiten von weitaus mehr Lesern wahrgenommen, als ein unbebilderter Leserbrief. Auch ist ein Leserbrief eben nur die Meinung eines Lesers, nicht aber eine redaktionelle Stellungnahme. Da wir aber alle wissen, wie schwer sich viele Zeitungen damit tun, eigene Fehler coram publico einzugestehen, nehme ich das mal positiv auf, und tue die Tatsache des Leserbriefes hiermit kund.

  6. Mein lieber Tobi, warum sollte ich jemandem die Ehre antun, mich auf einen Dialog einzulassen, … ” (Herr Escher hier: https://www.facebook.com/dju.verdi/posts/406761326032194)

    Geehrter Herr Escher. Ich weiß nicht wieviel Ehre sie mehr haben. Da es ein großes Gefälle in Bezug zu mir zu geben scheint, bin ich ihnen sehr dankbar, dass sie mir trotzdem (auch indirekt, über Komments zu anderen) geantwortet haben.

    Aber einige ihrer Antworten (für die ich wie gesagt dankbar bin) missfallen mir.

    Sie vermeiden (scheinbar) die inhaltliche Auseinandersetzung mit mir, führen sie dann aber doch auf einer anderen Ebene.

    Gleichzeitig zu der scheinbaren Verweigerungen der inhaltlichen Auseinandersetzung, holen sie doch allerlei Argumente aus hinteren Schubkästen hervor. Dieses sind jedoch Argumente zweiter Ordnung. Was da alles zum Vorschein kommt – klingt komprimiert auch nicht gerade respektvoll, fairn und (selbst-)kritisch.

    Sie lassen (sinngemäß) verlauten, ich wäre ein Weltverschwörungsanhänger – ein schwer einschätzbarer Anonymus jedoch ohne “irgendeine Andeutung von Kenntnis”.

    Weiter geht es mit, ich hätte kein Mindestmaß an Niveau (“Doch auf das von Tobi Or-not Tobi vorgegebenen Niveau werde ich mich nicht begeben”). Der Blogbetreiber oder ich (konnte nicht zuordnen – wer gemeint sei) würden einfach gerne “Dreck in die Runde” werfen. Zuletzt sprechen sie mir oder meinen ersten Beitrag dann noch irgendwie den “zivilsatorischen Fortschritt” ab.

    Ich könnte ihre Argumentation also wie folgt nachzeichnen. Einen niveaulosen, weltverschwörten Zivilisationsfremden, der anonym mit Dreck wirft und ohne jegliche Kenntnis, kann nichts Gehaltvolles entstammen und deshalb muss dieser hyperventilierende Barbare mit schlichten Worten beruhigt werden. (“Ball flacher halten, Blutdruck senken”)

    Meine Antworten auf ihre vorgebrachten Argumente wären.

    – Weltverschwörer mag ich nicht und bin selbst keiner.
    – Kenntnisse habe ich einige.
    – Ein zivilisatorischer Nachteil ist bei mir noch nie aufgefallen.
    – Empfundenes Niveau ist sehr subjektiv.
    – Ob Argumentationen und Vorwürfe in die Runde geworfener Dreck oder berechtigte Kritik sind, liegt ebenfalls im Auge des Betrachters.

    So und nun zu den eigentlich zentralen Fragen.

    1. Welche “Wahrheiten” vermittelt das mediale Arrangement des Artikels in der NN?

    Meine Antwort:
    Die “Wahrheit” einer “Apartheidsmauer”.

    2. Ist der Artikel in der NN antizionistisch-propagandistisch?

    Meine Antwort: Ja.

    3. Ist das (9 oder 10 jährige) Jubiläum der Schutzmauer ein Grund des Bedauerns?

    Meiner Meinung nach Nein. Es gibt generell an der Schutzanlage nicht auszusetzen, sie ist in dieser Situation richtig und wichtig.

    Auf diese ursprünglichen Fragestellungen könnte man bei der Diskussion zurückkommen.

    Es sind jedoch plötzlich nochmehr sehr interessante Fragen aufgeworfen worden.

    “Die dju in ver.di ist froh, dass im Journalismus hierzulande strengere Maßstäbe gelten und in aller Regel beachtet werden, als in dieser zum Teil maßlosen Diskussion angewendet werden.”

    Ist das so? In Berichterstattungen über Israel scheint es mir anders, ich kann da eher Doppelstandards als feste Maßstäbe ausmachen.

    Wenn in Nachrichten alle Opfer gefälscht werden (um mehrere Tausende gefälscht – Massaker in Jenin – um nur ein bekanntes Beispiel unter Massen zu nennen), wenn sogar die Ard und andere öffentlich-rechtliche (vom ZDF wollen wir gar nicht erst anfangen) folgende mediale Inszenierung von Israel in der ARD-Tagesschau zulassen.

    Einen jener schreiend-inszenierten Bestattungsumzüge mit einem [doch nicht] bei israelischen Luftangriffen Getöteten 12 Jährigen. Schreiend, gestikulierend, und scheinbar direkt situativ rennen hunderte PalA. hinter einem toten Kind her. Dieses tote Kind lassen sie durch die Menge tragen. Es kam raus, dieses Kind ist nicht bei den israelischen Luftangriffen gestorben und nicht wie behauptet auf dem Weg zur Schule. (Wo kamen dann die Trauernden des Umzugs her, gecastet?) Diese Leichenschändung wurde von der ARD übertragen, das Kind als Opfer Israels dargestellt. So geschehen bei den letzten Auseinandersetzungen (Raketen gegen Islamischen Jihad – um bei einem aktuellen Bsp. zu bleiben).

    Was für Maßstäbe sollen dass sein, die nach dem Formkürzel “…laut palästinensischen Angeaben …” allerlei Propaganda in den Äther senden. Die sich noch nie von einer falschen Nachricht distanziert haben. Denen jedoch die Statements der israelischen Behörden ständig dubios, parteiisch erscheinen.

    Wie sagen sie es doch so schön: “Nach unserer Auffassung sollten Journalisten Quellen nicht trauen, sondern sie und ihren Inhalt überprüfen. Das gebietet die journalistische Sorgfaltspflicht. Das gilt auch – und manchmal ganz besonders – für amtliche Quellen.”
    – Ganz besonders und uneingeschränkt gilt das Misstrauen natürlich gegenüber amtlichen israelischen Quellen. Nahezu von einer fröhlichen Leichtigkeit im Gegensatz dazu der Umgang mit “Palästinensischen Angaben”.

    Nach diesem Kürzel (” nach Pal. Angaben”) kann alles gesendet, muss nichts widerrufen werden und jede palästinensische Laienschauspielgruppe bekommt ihren großen Auftritt. Die Requisiten sind bisweilen gewöhnungsbedürftig (manchmal echte Leichen).

    Ich kann beim Übertragen dieser palästinensischen Laienschauspielgruppen keine journalistischen Maßstäbe entdecken. Gerade vor dem Hintergrund, dass in aktuellen Studien erwiesenermaaßen Deutsche stark zunehmend Israel als aggressiv oder bedrohlich wahrnehmen und dass Sympathien für Israel in der deutschen Bevölkerung stark abnehmen. Hier sehe ich die deutschen Medien und gerade auch die JournalistInnen, “Bildermacher” und Medieninszenierer in der Verantwortung.

    Die medialen Praxen vieler JournalistInnenen in Bezug auf Israel empfinde ich zunehmend als verantwortungslos, gerade vor dem Hintergrund eines wachsenden Antizionismus und der letzten Antisemitismusstudien.

    Deshalb plädiere auch ich für Respekt, Fairness und (selbst-)kritische Auseinandersetzung mit Argumenten und Fakten. Gerade gegenüber israelischen Bürgern sollte dieser Respekt Standart sein, genauso wie auch der Respekt vor Juden, die ausserhalb von Israel wohnen (ob in England oder Westjordanland). Ein reflektierter, fairer Umgang von JournalistInnen mit Israel, dies wäre das ganz große Tennis.

    Ich danke für ihre Aufmerksamkeit
    Mfg vom Tobi

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