Unterschiede

von André Freud:

Drei Deutsche, die jeder kennt. Ihre Namen sind für viele Anspruch und Idol, wenn auch bei verschiedenen Menschen und aus unterschiedlichen Gründen. Aber es geht hier nicht um die Menschen, die hier abgebildet sind, sondern um Träger ihres Namens. Um heutige und um künftige Träger.

München hat einen der größten europäischen Flughäfen. Er trägt den Namen Flughafen München „Franz-Josef Strauß“ und beging im Mai seinen zwanzigsten Geburtstag; es ist der zweitgrößte Flughafen Deutschlands und der sechstgrößte Europas. Er gewinnt zahlreiche Preise und Auszeichnungen. 30.000 Mitarbeiter ermöglichen mehr als 400.000 Flugbewegungen pro Jahr. Mit der neuen Startbahn werden weitere 10.000 neue Arbeitsplätze entstehen. 10.000! Wenn ein Unternehmen mit 10.000 Arbeitnehmern insolvent geht, dann schreit die ganze Republik auf. Wenn 10.000 Arbeitsplätze entstehen sollen, dann beginnen die ewigen Bedenkenträger und Verhinderer ihren Aufstand. Absurd! Der FJS-Airport ist ein wesentlicher und unverzichtbarer Bestandteil der Verkehrsinfrastruktur Bayerns. Er ist nicht nur Lebensgrundlage für gut 100.000 Menschen, sondern leistet einen absolut unverzichtbaren Anteil für den Erfolg Münchens und Bayerns in vielfacher Hinsicht, nicht nur wirtschaftlich und touristisch. Ein Schreckensszenario durchlebt, wer ihn sich weg denkt und die Frage zu beantworten sucht, wie es dann wohl um München und Bayern bestellt wäre. Auch angesichts dieser Tatsache ist es nachgerade hanebüchen, wenn in der Tat Menschen gegen die geplante dritte Startbahn mobil machen. Es war noch nie ein Ausweis besonderer Intelligenz, den Ast abzusägen, auf dem man sitzt. Es ist ja nicht so, daß andere deutsche oder europäische Städte nur von Deppen regiert werden – die sitzen nicht da und finden sich damit ab, daß München eine der lebenswertesten Städte der Welt ist, daß Bayern eines der meistbesuchten Ziele weltweit ist, daß bayerische Unternehmen bei uns Wirtschaftsmotor, in der ganzen Welt aber begehrte Partner sind. Diese Regierungen anderer Länder, anderer Städte tun das, was sie können, um uns Konkurrenz zu machen. Das braucht man denen gar nicht vorzuwerfen – das ist ihre Aufgabe, dafür sind sie gewählt, und das ist nur das eigene natürliche Interesse. Aber eben weil das so ist, dürfen wir uns nie mit dem zufrieden geben, was wir haben, sondern müssen stets danach streben, es besser zu machen. Deswegen ist ja auch die dritte Startbahn eben nicht einfach nur ein ins Erdinger Moos hinein asphaltierter, umweltunverträglicher Streich von irgendwelchen verantwortungslosen Hallodris, die Wachstum um jeden Preis erzwingen wollen – das ist nicht und war niemals kennzeichnend für bayerische Politik. Die Pläne für die dritte Startbahn zeugen von einem durchdachten Gesamtkonzept, in dem alle Interessen zueinander in gutem Verhältnis stehen. Auch große Teile der Münchner und bayerischen SPD können sich dem nicht verweigern und plädieren für die dritte Startbahn. Am kommenden Sonntag ist Bürgerentscheid, und es steht sehr zu hoffen, daß nicht die Rückwärtsnixe einen Pyrrhussieg erringen werden, der uns alle teuer zu stehen kommen wird. Es ist zu erwarten, daß beim Bürgerentscheid die Verantwortungsbewußten die Mehrheit bilden werden. Dann wird die neue Startbahn gebaut, und dann wird der Flughafen auch dem Träger seines Namens aufs Neue gerecht werden: Franz-Josef Strauß – dem Mann, mit dem neben anderen wie Alfons Goppel der Aufstieg Bayerns vom Agrarstaat und Armenhaus der Bundesrepublik Deutschland zum führenden Wirtschafts-, Bildungs- und Tourismusland Deutschlands verbunden ist.

In Berlin versucht der erfolgloseste Regierungschef, den ein deutscher Bundesstaat wohl jemals hat erdulden müssen, zusammen mit der Regierung des heute noch „Klein-DDR“ genannten Bundeslandes Brandenburg, beide SPD, einen Großflughafen zu bauen. Es will nicht recht gelingen. Die beiden Versager im Flughafenbau, Platzeck und Wowereit, sind gerade sinnbildlich für Politiker, die abgehoben von der Realität unsinnige Planungen an den Menschen vorbei machen. Berlin war mit Flughäfen gut ausgestattet. Da gab es Tempelhof – einen Innenstadtflughafen mit dem flächengrößten Gebäude der Welt nach dem Pentagon, da gibt es Tegel („Otto Lilienthal“) im Nordwesten der Hauptstadt, Schönefeld im Süden Berlins. Ob es ein Fehler ist, mehrere Flughäfen zu haben? Ich denke: nein. Andere Städte von Berlins Größe haben mehrere Flughäfen und profitieren davon. Aber natürlich kann man der Meinung sein, daß ein zentraler Großflughafen besser sei. Dann also, so sollte der Bürger denken, werden seitens der Politik Planungen gemacht, Voraussetzungen geschaffen – und dann wird der Flughafen gebaut. Ja, sollte man denken. Aber in Berlin ist manches anders. Alte Flughäfen – neben Tempelhof auch Gatow – werden geschlossen, für die in Betrieb befindlichen Flughäfen wird vom Regierenden Bürgermeister Klaus „Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich recht ungeniert“ Wowereit einfach mal so ein Datum verkündet, an dem sie geschlossen werden – weil dann ja der neue Flughafen in Betrieb sein soll. An solchem Blödsinn erkennt man den Sozialisten: da wird der Plan eben für real gehalten. Und wenn der 7. Parteitag beschlossen hat, daß im April schönes Wetter ist, dann hat gefälligst schönes Wetter zu sein! Man erkennt hier, daß bei den Sozialisten Wowereit und Platzeck das typische Denken vorherrscht, daß die Realität sich gefälligst dem eigenen Wunschdenken zu unterwerfen hat. Deswegen scheitern sie. Leider, leider müssen gerade wir Bayern den politischen Dilettantismus dieser Herrschaften durch den Länderfinanzausgleich bezahlen. Das ist im Wortsinne pervers. Der Länderfinanzausgleich hat den Sinn, schlechtergestellten Bundesländern eine Politik zu ermöglichen, die zur Überwindung vorhandener Nachteile sorgt. Das wollen wir Bayern auch gerne tun. Was wir zu tun aber nicht mehr länger willens sind, ist, anderen Ländern ein Suhlen in der selbstgemachten Misere zu spendieren. Bayern war selbst lange Jahre Empfänger von Zahlungen aus dem Länderfinanzausgleich – wenngleich – auch inflationsbereinigt – nur zu einem Bruchteil dessen, was Berlin kassiert und verfeiert. Aber keine Maßnahmen werden ergriffen, um Berlin wirtschaftlich besser zu stellen – in Berlin wird umverteilt, Transfersozialismus geübt, und der Bevölkerung werden Bonbons gegeben, die sich Länder, die in den Finanzausgleich einzahlen, nicht leisten können – wie etwa der Erlaß von Studiengebühren. Ich stehe nicht an, auch gewisse Verdienste von Willy Brandt anzuerkennen; diese liegen aber ganz gewiß nicht im Bereich der Wirtschafts- oder Finanzpolitik. Unter Willy Brandt wurde 1974 mit der Gewerkschaft ÖTV (heute ver.di) ein Tarifvertrag mit 11 % Lohnerhöhung abgeschlossen – blanker Wahnsinn in einer Zeit der Ölkrise, der steigenden Arbeitslosigkeit und zunehmender Inflation. Aber so sind sie halt, die Sozis: sie meinen es gut und machen es schlecht. Es ist daher passend, daß der neue Berliner Großflughafen in irgendeiner Zukunft, wenn er denn einmal den Betrieb aufnimmt, den Namen „Willy-Brandt-Flughafen“ tragen wird.

Nürnberg erlebt derzeit mit der großen, höchst sehenswerten Ausstellung über Albrecht Dürer ein kulturell weit über Nürnberg, Franken, Bayern, ja: Deutschland hinausreichendes Ereignis. Es kommen viele, viele Besucher in unsere Stadt – allein in der ersten Woche über 17.000 Besucher. Einige davon landen auf dem Flughafen Nürnberg (oder „Airport Nürnberg“ in internationalem Deutsch). Warum eigentlich heißt der nicht „Airport Nürnberg Albrecht Dürer“? Zum einen könnte man so einen weiteren Beitrag zur internationalen Verbreitung unserer Umlaute leisten. Nein, im Ernst: wenn eine Flughafen-Stadt einen weltweit bekannten Namen zu den Söhnen oder Töchtern der Stadt zählt oder sich aus Nationalstolz damit schmückt, dann wird dieser Name auf den Flughafen übertragen. Rom: Leonardo da Vinci. New York: John F. Kennedy. Paris: Charles de Gaulle. Warum nicht Nürnberg: Albrecht Dürer? Es gibt offensichtlich keinen Grund, der dagegen spricht. Was spricht dafür? Zum ersten: Die Marke Nürnberg wird aufgewertet. Nürnberg ist in den Köpfen sehr, sehr vieler Menschen mit den Jahren des Nationalsozialismus verbunden. Das gehört zu unserer Geschichte – richtig. Diese ist reichhaltig und weist neben jenen Jahren von 1933 bis 1945 noch andere, ganz andere Phasen auf – viele Jahrzehnte, wenn nicht Jahrhunderte, die der Geschichte unserer Stadt Glanz verleihen. Epochen, in denen die Kaiserburg errichtet ward, in denen die Goldene Bulle hierher kam, in denen der 30-jährige Krieg durch den Frieden von Münster, Osnabrück und Nürnberg beendet wurde, in denen der humanistische Bildungsgedanke seinen Ausgang nahm – und in denen weltweit geachtete Meister wie Albrecht Dürer ihrer Kunst nachgingen. Warum also nicht? Die Marke Nürnberg wird so über die Jahre und Jahrzehnte in den Köpfen von Millionen von Menschen mit dem Namen Dürers assoziiert werden: wer „Nürnberg“ hört, wird künftig auch sogleich an AD denken. Das wirkt sich nicht rapide aus, aber es wirkt sich aus. In den Köpfen der Kunst- und Kulturinteressierten wird durch eine solche Namensgebung ein Nexus geschaffen, ein Bindeglied. Und das transportiert sich – für uns kostenlos – über Millionen von Tickets, auf den es vermerkt werden kann, über Millionen Betrachtungen von Internetseiten, über Millionen wahrgenommener Erwähnungen in Medien aller Art. Da die meisten Flughäfen der Welt lediglich geographisch bezeichnet sind (Wien Schwechat, Zürich Klothen, London Heathrow, New York – Newark), fällt eine Personenbezeichnung auf. Und sie macht Werbung – beste Werbung. Abgesehen von ein paar banalen, niedrigen Kosten ist die Sache kostenlos. Umsonst wird sie nicht sein. Es ist gerade die Langfristigkeit dieser Maßnahme, die bestechenden Charme hat.

  • Franz-Josef-Strauß-Flughafen München: eine Erfolgsgeschichte. Fortsetzung folgt.
  • Albrecht Dürer-Flughafen Nürnberg: das wird eine Erfolgsgeschichte.
  • Willy Brandt-Flughafen Berlin: eine sozialistische Peinlichkeit ersten Ranges, ein Milliardengrab, das Mahnmal vieler zerstörter Existenzen – ein neuerlicher Beleg dafür, daß Armut wählt, wer links wählt.

Bilder: CSU Pressestelle (Franz-Josef Strauß), Wikimedia Commons (Albrecht Dürer), Deutsches Historisches Museum (Willy Brandt)

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