Versager

von André Freud:

Die heutige Demonstration der „Piraten“ in Nürnberg erlitt Schiffbruch. Ein hysterischer Blöker schrie irgendwelche anheizenden Schlagworte in ein zu laut aufgedrehtes Mikrophon, und die Masse der Demonstranten sollte das dann nachäffen. An sich ein passendes Vorgehen für eine solche Truppe. Aber dann kam die Realität und entzauberte das infantile Getue.

Es waren wohl nur einige Dutzend, jedenfalls auf Höhe des Jakobsplatzes, wo ich den Zug kurz sah. Die Zeitungen berichten von etwa 200 Teilnehmern. Vielleicht war diese Zahl an der Lorenzkirche zutreffend, aber auf dem Jakobsplatz waren es deutlich unter hundert. Die gekreischte Parole lautete wohl „Acta – ad acta“ und überforderte die „Demonstranten“. Vielleicht verstanden sie auch den kreischenden Einpeitscher mit seiner sich hysterisch überschlagenden Stimme nicht, sei es akustisch oder intellektuell. Ich bedaure, dieses Wort „Demonstranten“ in Anführungsstriche zu setzen. Man möge mir nicht vorwerfen, das Demonstrationsrecht gering zu schätzen; ich bin ganz im Gegenteil davon überzeugt, daß das Demonstrationsrecht ein Kernelement der freiheitlich-demokratischen Grundordnung darstellt. Geht’s irgendwo auf der Welt dem Demonstrationsrecht an den Kragen, dann ist der Unrechtsstaat meistens schon da, jedenfalls aber klopft er an die Tür und begehrt Einlaß.

Auch wenn ich bei den meisten Demonstrationen in unserem Land nicht die Ansichten derjenigen vertrete, die demonstrieren gehen, so würde ich mich doch jederzeit mit allen gebotenen Mitteln dafür einsetzen, daß man – im Rahmen der rechtsstaatlichen Gesetze, die wir dafür haben – demonstrieren darf.

Aber diese wohl aufgrund des guten Wetters nur spärlich besuchte Demonstration war entlarvend. Sie entlarvte, daß die Piraten keine solchen Menschen sind, die verantwortungsbewußt an der politischen Meinungsbildung teilnehmen wollen. Es ist der Freizeitverein derer, die ihre Computer mehr schätzen als das reale Leben und die glauben, daß man, wenn man Murks gemacht hat, einfach auf „New Game“ klicken kann, und schon hat man eine zweite Chance.

Die Piraten sind eine Konglomerat von Menschen mit kindischen Traumvorstellungen, Realitätsunkenntnis, sozialistischen Wahnvorstellungen, angereichert um antisemitische Ausfälle mancher Funktionäre und Vollzug der Prügelstrafe an Pressesprechern. Das sind die, die in irrsinniger Verkennung der Wirklichkeit von sich behaupten, eine neue Politik machen zu wollen.

Man muß dabei bedenken: Wieso denn eigentlich eine neue Politik? Die unsere – im Bund, in Bayern – ist doch gut. Deutschland meistert die Finanzkrise, die seit dem 15. September 2008 – dem Tag, an dem Lehman Brothers Konkurs anmeldete – besser als jeder andere Staat der Welt. Wir haben ein Wirtschaftswachstum von heuer wohl 1 % – ein enormer Wert. Man darf ja nie vergessen, daß 1 % bei uns mehr Mehrwert bedeutet als beispielsweise 10 % in China, weil wir wirtschaftlich auf viel höherem Niveau stehen. Unsere Arbeitslosigkeit nimmt rapide ab, und nicht wenige Wirtschaftswissenschaftler sprechen bereits von Vollbeschäftigung – mit der Begründung, daß unter den Arbeitslosen ein großer Teil als letztlich dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung stehend gilt. Nicht alle, das ist auch klar, und es sind elende Schicksale dabei, und wir haben massive Probleme – Zeitarbeit ist eines davon. Niemand bestreitet das. Aber unsere Politik arbeitet daran, und tut das mit Erfolg. Daß wir nicht in Armut und Chaos versinken wie die Griechen, die in ihrer Angst links- und rechtsradikal wählen, daß bei uns Wirtschaftswachstum erarbeitet wird – das sind nicht nur, aber auch Ergebnisse einer guten Politik. Im Bund, in Bayern. Wir müssen daran arbeiten, daß diese Politik noch mehr Unterstützung bekommt. Aber Politik ist nichts, was man ahnungslosen Tagträumern, ihre Pressesprecher verprügelnden Abgeordneten und sonstigen Irrläufern überlassen darf.

Messer, Schere, Feuer, Licht ist für kleine Kinder nicht.

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4 Kommentare

  1. Herbert Klaus sagt:

    So ein indifferentes Gelaber liest man eher selten. Die Frage, wo diese Nichtpolitik gut sein soll, kann der Verfasser offensichtlich nur mit der Schaffung prekärer Arbeitsplätze belegen. Die in Greece um sich greifende Armut ist hier schon angekommen. Die Finanzkrise 2008 ff. haben Andere besser gemeistert, da kam von den derzeitigen „Politikern“ – mit oder ohne Teppich -.nichts. Seit Black/Yellow sind die Stäbe bes. im mittlerweile obsoleten Außenministerium, den damls zur Disposition gestellten Entwicklungministerium und last but not least im ständig ankündigenden Verkehrsmin. zügellos aufgebläht worden. Selbst ganz alte, bereits abgeschaffte Selbstbedienungsvorschriften zur besseren Versorgung hat man zu neuem Leben erweckt. Wer sich früher mehr als Andere selbst bedient hatte, tat wenigstens nach Entdeckung so, als hätte er ein schlechtes Gewissen. Davon spürt man nun nichts mehr. Die letzten Hemmungen sind gefallen.

    Man sagt sehr leichtfertig, jedes Land hätte die Regierung, die es verdient. Aber diese „Nichtregierung“ haben wir nicht verdient, so schlimm können wir gar nicht gewesen sein.
    H.K. (parteilos)

  2. Ich lasse Ihren Kommentar zu, weil ich viel von der freien Rede halte. Im übrigen fallen mir zwei Redewendungen ein:
    1. Res ipsa loquitur
    2. Jeder blamiert sich, so gut er kann.

  3. Lukas B sagt:

    Und wahrscheinlich glaubt der Verfasser des Artikels das auch noch. WIR gehen auf die Strasse um die Leute zu informieren und um das Thema ACTA in die Öffentlichkeit zu bringen.
    Diese infantile gebrabbel und affige zitieren lateinischer Sprichworte macht den Artikel kaum logischer.
    Falls sie sich einmal ohne Anonymität im Internet mit uns unterhalten möchten würde ich hier empfehlen sich einmal in unserer neuen Geschäftsstelle mit uns zu treffen.

  4. Ja, dieser Beitrag bestätigt mich doch wunderbar. Ich frage mich, ob er von einem Piraten stammt – oder von einem, der die Piraten ablehnt und das Klischee nur bestätigen will…
    Erstaunlich finde ich, daß gewisse Worte von gewissen Leuten gerne falsch gebraucht werden. Parteipolitische, stark einseitige Aussagen zu einem Thema schlankerhand als „Information“ zu bezeichnen, ist – naja, irgend so etwas ähnliches wie „mutig“. Übrigens, Herr „Lukas B“ – im Gegensatz zu Ihnen bin ich hier keineswegs anonym, wie Sie behaupten. Mein Name steht über jedem Artikel. Argumente abzulehnen, weil man die Sprache nicht recht versteht, ist auch, na, wie sage ich es… – richtig: so etwas ähnliches wie „mutig“. Die Unterstellung, ein Blog-Beitrag müsse vor allem durch „Logik“ gekennzeichnet sein (und nicht etwa durch treffende Beobachtungen, stringente Schlüsse, klare Standpunkte), ist natürlich sinnlos. Sie könnten mir genau so gut vorwerfen, daß der Hintergrund dieses Blogs Ihnen zu weiß wäre. Außerdem ist die Behauptung natürlich auch falsch: Zeigen Sie mir einen logischen Fehlschluß in diesem Artikel, und ich werde gerne einen neuen schreiben, in dem ich um Abbitte ersuchen werde. Was nun Infantilität betrifft, finde ich Ihren Beitrag meinen überlegen. In den paar Worten steckt durchaus noch mehr, was zu bestandpunkten wäre, aber es scheint mir dieser eine Edit weiterer Mühe nicht recht wert. Frohes Herrichten der Geschäftsstelle wünsche ich dennoch!

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