Heuchelei. Anmaßung. Bigotterie.

von André Freud:

Der Frankenschnellweg soll ausgebaut werden. Es gibt immer noch Gegner dieses Vorhabens. Die finden es entweder knorke, daß der böse Autofahrer im Stau zu stehen hat, zigtausende von Mannstunden jedes Jahr, oder das zigtausende von Litern Treibstoff sinnlos verblasen werden, oder das es Jahr für Jahr zu zahlreichen Unfällen am Stauende kommt, oder daß der Verkehr in der ohnehin nicht mit Standortvorteilen gesegneten Südstadt durch den Frankenschnellweg in seiner jetzigen Form belastet wird – das sind doch alles tolle Argumente, um gegen den Ausbau zu sein. Jedenfalls dann, wenn man ein technikfeindlicher Freak ist, der die Menschen verachtet. Denn nichts anderes als Misanthropie, Menschenfeindlichkeit, kann es sein, was einen dazu bringt, den Menschen, die da tägliche entlangfahren müssen, die Beibehaltung der aktuellen Zustände zuzumuten.

Und nun also kommt er daher, der Anführer dieser Schrate, Markus Ganserer mit Namen. Und er beklagt, daß die Finanzierung des Vorhabens nicht gesichert sei. Holla, die Waldfee! Was kümmert ihn das? Das Gesetz, auf dem die Finanzierung beruht, laufe 2019 aus, sagt Ganserer. Ui, ui, ui! Hier will wohl jemand bangemachen?

Es ist lächerlich, wenn ein Gegner des Projekts auf angebliche Finanzierungsprobleme hinweist. Es ist ja nicht ehrlich, wenn er das als Problem sieht. Er freut sich doch darüber, daß es so ist – seiner Meinung nach, wohlgemerkt. Heuchelei.

Die Ausbaugegner präsentieren sich mit ihrer Pressemitteilung wie jemand, der das Vorhaben eigentlich will, aber aufgrund der (angeblichen) Finanzierungsschwierigkeiten leider doch abraten muß, es zu verwirklichen. Das ist natürlich alles nicht wahr. Die Bundesgenossen des Herrn Ganserer dürften tagelang die Unterlagen geprüft haben, und als sie dann immer noch kein reales Problem fanden, erfanden sie eines. Das Gesetz laufe 2019 aus und alle Projekte, die bis dahin nicht endgültig finanziert sei, müßten dann aus anderen Töpfen bezahlt werden. Aha. Also: Wer sagt, daß das Vorhaben nicht längst finanziert sein wird, bevor sieben Jahre (!) vergangen sein werden? Und weiter: selbst wenn dieser etwas absurde Fall eintreten sollte: wer sagt, daß dann die erwähnten „anderen Töpfe“ nicht zur Verfügung stehen? Es ist direkt geschmacklos, daß die Gegner sich hier darstellen, als seien sie um die Finanzierung besorgt – und als würden sie sich mit derlei auskennen. Anmaßung.

Ganserer und seine Freunde im Geiste einer Politik, die wider die berechtigten Interessen der Menschen gerichtet ist, tun so, als überbrächten sie lediglich eine schlechte Nachricht: aufgrund der langen Dauer des Projekts könnte es möglich sein, daß bei der Finanzierung Probleme entstünden, wenn man nicht in sieben Jahren die Finanzierung hätte – Aufhören mit dem Geschwätz! Hier soll dem dummen Zeitungsleser wohl Sand in die Augen gestreut werden? Es sind doch Ganserer und Co., die alles tun, um das Projekt zu verzögern – und dann stellen sie sich hin und haben die Chuzpe, die Verzögerung zu beklagen? Bigotterie.

Besonders der letzte Punkt ist mehr als ärgerlich. Sie verursachen Probleme im Ablauf, und dann stellen sie sich hin und sagen, daß wegen der von ihnen verursachten Probleme die Sache leider vergessen werden müsse. Ja, geht’s noch? Es ist nachgerade schäbig, für wie doof manche die Leute verkaufen wollen.

Und im Übrigen, nur am Rande und nur nebenbei: Ich denke mal, daß man kein eingefleischter CSUler sein muß, um dem bayerischen Finanzminister Markus Söder etwas mehr Kompetenz beim Thema Finanzen zuzugestehen als einem Diplom-Forstwirt (FH). Wenn’s mal um Bäume geht, dann interessiert mich die fachliche Stellungnahme des Herrn Ganserer vielleicht mehr als die von Markus Söder, aber wenn es um Finanzen geht – bitte, Schuster, bleib bei deinen Leisten.

Und was sagte Markus Söder zur Finanzierung des Ausbaus? Klar und deutlich eines: die Finanzierung wird zustandekommen. Getragen von Bund, Land und Stadt. Da helfen die Nebelgranaten des Herrn Ganserer, mit denen er den Blick auf die Realität erschweren will, auch nicht weiter. Zum Glück.

Aber eine Frage mal am Rande: Hat diese Stadt Nürnberg nicht einen Oberbürgermeister? Warum hört man von dem so wenig? Die Antwort liegt auf der Hand: der gestaltet nicht so gern. Der verwaltet lieber. Und wenn er mal irgendwo anecken würde, dann schweigt er. Viele SPD-Wähler nutzen täglich den Frankenschnellweg und fordern, daß dieses furchtbar sinnlose Nadelöhr, das Deppenöhr, endlich beseitigt wird. Andere SPD-Wähler, die vielleicht im Osten der Stadt wohnen oder im Norden, sind vielleicht der Meinung, daß die Südstädter ruhig mit ihrem Stau-Status weiterleben sollen, schließlich kennen die seit 30 Jahren nichts anderes und sollen sie mal nicht so haben. Und bei einer solchen Gemengelage erwartet irgend jemand ein Wort des Prinzregenten? Oh nein, weit gefehlt. Da schweigt er lieber. Damit schafft er sich zwar keine Freunde, aber eben auch keine Feinde. In den Augen der Ausbaubefürworter wird er sich schon als derjenige darstellen, der es vollbrachte – und in den Augen der Gegner wird er sich darstellen als einer, der es leider nicht verhindern konnte, damit ihm am Ende keiner böse ist.

Das alles ist noch die übliche Taktiererei vieler Politiker, die nicht für etwas stehen, sondern nur für sich. Aber in einem Punkt hat unser aller Prinzregent Uli Maly doch eines drauf, was ihn unterscheidet: Maly verfügt über genügend Vorwitz, um zu versuchen, den Frankenschnellweg nach dem Ausbau noch umzubenennen: „Ulrich-Maly-Schnellweg“. Da halte ich dagegen: Ulrich Maly? Schnell weg. 2014 sind Wahlen. Und die Kooperation kommt womöglich schon vorher zu einem Ende.

 

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2 Kommentare

  1. In diesem Artikel, den Dolf verlinkt, steht eine einseitige Contra-Ausbau-Argumentation. Kann man machen – so wie ich hier recht einseitig für den Ausbau plädiere -, aber „lesen und nachdenken“ ist dann doch a weng dick aufgetragen. „Lesen und wirken lassen“ träfe es besser – aber da wird nicht viel wirken. Denn: dort sagt der Verfasser, daß die Öffentlichkeit zu blöd ist. Na gut – die Formulierung lautet genau genommen, daß der Beweis (sic!) der Untauglichkeit des Vorhabens „der breiten Öffentlichkeit aber noch nicht ausreichend vermittelt“ ist. Deswegen soll verhindert werden, das zum Wahlkampfthema zu machen. Was ist das anderes, als die Bevölkerung als zu blöd zu bezeichnen?
    Ja, geht’s noch? Wo sind wir denn – noch in der freiheitlich-demokratischen Grundordnung? Versuche, am Bürger vorbei zu regieren, sind – sanft formuliert – extrem kritisch zu sehen. Und wenn der Bürger die vorgetragenen Argumente nicht akzeptiert – dann denkt so mancher Zeitgenosse, daß dann eben die Bürger blöd seien. Nun ja… vielleicht ist manchmal gar nicht der Bürger blöd, sondern bloß die eigenen Argumente schwach? Nachdenken! Git Schabbes, ein schönes Wochenende, und vielleicht – trotz des frischen Wetters – ab 1700 auf Pfarrer Bielmeiers Kirchweih in GoHo an der Dreifaltikgeitskirche am CSU-Stammtisch.

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