Was du in anderen entzünden willst, muß in dir selbst brennen

von André Freud

Doch, das darf man sagen: wir sind keine normale Partei. Normal wäre es, wenn in einem Partei-Ortsverband mit gut 60 Mitgliedern vielleicht zehn oder 15 zur jährlichen Hauptversammlung kämen. Da nur alle zwei Jahre ein Vorstand gewählt wird und diesmal keine Vorstandswahlen anstanden, wären acht oder zehn Anwesende normal gewesen. Bei uns allerdings ist in einem gut geführten Ortsverband mit gut 30 Menschen die Hälfte aller Mitglieder anwesend.

Normal wäre es, wenn vielleicht der zuständige Kreisvorsitzende, Stadtrat Kilian Sendner teilnähme. Bei uns, bei der CSU, kommen außerdem der Bezirkstagspräsident Richard Bartsch, der Nachbar-OV-Vorsitzende Stadtrat Joachim Thiel und der Bezirksvorsitzende Markus Söder. Söder erläutert in einer Art Privatissimum seinen Standpunkt zum Thema Euro und Eurobonds, Bartsch legt die aktuellen Probleme beim Bezirkskrankenhaus dar und erinnert an den 23. Mai als Tag des Grundgesetzes. Derlei ist großartig, denn so stellt sich der Großkopferte der Basis. Er stellt fest, ob seine Position anerkannt wird (was offensichtlich der Fall war), und er kann Überzeugungsarbeit leisten. Das freut natürlich den OV-Vorsitzenden Ralf Regnat, der den prominenten und zahlreichen Besuch auch als Resultat seiner Vorstandsarbeit bewertet. Und warum sollte er das auch nicht so sehen?

Normal wäre es, wenn die bürgerliche CSU in einer ordentlichen Gaststätte mit Nebenzimmer tagen würde, oder in der CSU-Geschäftsstelle. Aber dieser CSU-Ortsverband tagt im Nachbarschaftshaus Gostenhof, in einem der rotesten Stadtteile Nürnbergs, und zeigt dort so Präsenz und Flagge. Vielleicht war der eine oder andere, politisch links eingestellte Gostenhofer überrascht, als er den Markus Söder dort erblickte – aber Respekt, den fordert es durchaus ein: wir von der CSU gehen nicht extra dorthin, wo man uns eh schon mag – wir gehen auch einmal dorthin, wo man uns skeptisch gegenüber steht. Wir sind überzeugt, die besseren Vorschläge für ein gutes Miteinander zu haben, und deswegen stellen wir uns jeder Diskussion. Das wird gerade in etwa einem Jahr, wenn der Wahlkampf beginnen wird, deutlich werden. Aber wer zu sehen vermag, der erkennt bereits jetzt: wir sind die mit den besseren Ideen, und die Wirklichkeit gibt uns jeden Tag dort Recht, wo wir in der Verantwortung stehen, und stellt unsere Mitbewerber dort bloß, wo diese in der Verantwortung stehen. Die sind nämlich nur dann gut, wenn sie in der Opposition sind.

Und all das bekommt man auf einer an sich ganz unbesonderen, kleinen Ortsvereinsssitzung mit. Da soll mir mal einer erzählen, daß derlei bei den Sozialdemokraten oder anderen Mitbewerbern möglich wäre!

Bild: Freud

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