Islam: Schutz und Sicherheit im Zeichen der Burg?

von André Freud

In Nürnbergs Süden, in der Conradtystraße, soll eine Moschee entstehen. Wie stellt man sich dazu? Welche Forderungen darf der nichtmuslimische Nürnberger an ein solches Vorhaben richten, welche Forderungen dürfen die Nürnberger Moslems stellen?

Es ist so einfach, und ist doch so schwer, denn der Islam ist sowohl Religion als auch Politik. Daher gilt:

  1. Wie jede andere Religion, so darf auch der Islam als Religion seine Gottesdienste abhalten – und dazu natürlich auch Gotteshäuser errichten (in Einklang mit den Bauvorschriften und so weiter); dieses Recht sichert das Grundgesetz jeder Religion zu.
  2. Wie jede andere politische Gruppierung muß auch der politische Islam in Deutschland das Grundgesetz und alle anderen Gesetze nicht nur anerkennen, sondern ihnen gegenüber eine positive Haltung entwickeln; dieses fordert das Grundgesetz von jeder politischen Gruppierung.

Wenn ein islamischer Prediger in einer Moschee dazu aufruft, daß man nicht stehlen soll – wunderbar. Wenn er aber fordert, einem Dieb die Hand abzuhacken, dann verletzt er den für eine Religion zulässigen Rahmen, dann wird er politisch, und dann müßte er das Grundgesetz akzeptieren – darf also solche Forderungen nicht erheben. Wenn ein islamischer Prediger predigt, daß Eheleute einander die Treue halten sollen – fein, soll er tun. Wenn er aber predigt, daß Untreue gesteinigt werden sollen, dann schließt dieser Prediger sich selbst aus unserer Gemeinschaft aus. Wenn ein islamischer Prediger predigt, daß Mann und Frau einander ehren und achten sollen – wunderbar. Wenn aber ein islamischer Prediger Männer dazu aufruft, ihre ungehorsamen Frauen zu schlagen, dann ist hier keine Religion zu Gange, sondern ein verachtenswertes, politisches System von Körperstrafen, das wir überwunden haben.

Im vorstehenden Absatz kann man übrigens das Wort „islamisch“ auch gerne durch „christlich“, „jüdisch“ oder „buddhistisch“ ersetzen – der Inhalt gilt weiterhin. Es ist mir zwar nicht bekannt, daß Christen, Juden oder Buddhisten solche Forderungen stellten, aber der guten Ordnung halber stelle ich klar: diese Anforderungen richten sich gegen jede Religion, gegen jede Weltanschauung.

Würden die extremen Islamisten sich selbst nicht als Religion, sondern als Partei bezeichnen und ins Vereinsregister eintragen lassen – hoppla, das Verbot käme derartig zackig, die würden sich kaum umschauen und wären schon verboten. Und deswegen, oder nur deswegen, weil solche Ansichten unter dem Deckmantel der Religion daherkommen, sollen sie akzeptabel sein? Nein.

Daher gilt: Dort, wo der Islam Religion ist, steht er unter dem Schutz des Grundgesetzes (wie jede andere Religion auch). Dort, wo der Islam politische Bewegung ist, muß er sich dem Grundgesetz unterwerfen (wie jede andere politische Gruppierung auch).

Gestern war Verfassungstag: Am 23. Mai 1949 wurde das Grundgesetz verkündet und trat damit in Kraft. Wir sollten unser Grundgesetz, die beste aller Verfassungen, die wir je hatten, auch dadurch stärken, daß wir nicht zulassen, daß es ausgehölt wird. Eine Demokratie muß dort wehrhaft sein, wo sie angegriffen wird.

Tolerant ist nicht derjenige, dem alles egal ist. Tolerant ist derjenige, der Dinge hinnimmt, die ihm nicht passen, wenn er weiß, daß das Unterdrücken dieser Dinge schädlicher wäre das Zulassen dieser Dinge. Wenn man aber weiß, daß diese Dinge einen nicht wiedergutzumachenden Schaden hinterlassen, dann ist der, der sie trotzdem zuläßt, nicht tolerant, sondern ein verantwortungsloser Dummkopf.

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5 Kommentare

  1. Max Höffkes sagt:

    genau so isses,da simma dabei,aber net mit dem anderen grausamen Zeug wie Steinigen und Handab oder gar Kopfab, wenn man aus seinem eigenen Laden aussteigen will der Max

  2. Anonymous sagt:

    Als gäbe es irgendeine Religion, die nicht auch Politik wäre. Verlogener Scheißdreck.

  3. @ anonymer Kommentator: Die Wahl der Worte weist nun nicht wirklich auf eine argumentativ sichere Position hin, aber jeder macht es eben, so gut er kann. Natürlich hat jede Religion ihre politischen Implikationen. Na und? Erhebt eine andere Religion den Anspruch, den Menschen (in Deutschland) eine bestimmte Lebensweise aufzuzwängen, und zwar „erforderlichenfalls“ mittels Gewalt? Nein, soweit ich unterrichtet bin.
    Was andere Religionen betrifft: Alles ist politisch, auch die Entscheidung, ob ich Hackfleisch beim Discounter oder beim Qualitätsmetzger kaufe. Natürlich sind auch andere Religionen in diesem Sinne politisch. Jedoch fordern andere Religionen mit der Macht und Ohnmacht ihrer Theologien, daß man nach ihren Geboten leben soll, um gottgefällig oder gut zu leben. Nur eine Religion, soweit ich weiß, wird in relevantem Umfang so gelebt, daß die religiösen Regeln mit weltlichen Strafen durchgesetzt werden sollen.
    Und bevor das etwas sehr armselige Argument kommt (womit nach dem ersten Edit wohl zu rechnen ist), daß die Kirchen ja schließlich auch und Inquisition und Scheiterhaufen und so weiter: Hier ist zwar das, was wirklich war, weit entfernt von dem, was des Halbwissens Aussage ist, aber ja, es stimmt: in den meisten Weltreligionen gab es solche Phase. Wohlgemerkt: gab. Imperfekt. Nicht: gibt (Präsens). In islamischen Ländern mit islamistischer Politik gibt es das. Diese Länder werden mehr. Sie sind aggressiv und werden zunehmend aggressiv. Vertreter dieser Politik in Europa, in unserem Land werden mehr, sie werden aggressiver, sie verüben und drohen mit Gewalttaten, sie sind eine Gefahr.
    Artikel wie der obige lassen sich so formulieren, daß auch Übelmeinende wie Sie keine Formulierungen mehr umbiegen können, um den Inhalt zu verdrehen (dann allerdings werden sie überlang, weswegen ich das nicht mache). Gutmeinende wissen, daß Ihr Vorwurf in etwa so lächerlich und fehl am Platze ist wie Ihre Wortwahl, und etwa so angemessen ist, wie Sie mutig sind, der Sie sich feige hinter Ihrer IP verstecken. Die allerdings, die IP, wird von der WordPress-Software aufgezeichnet und übermittelt. Ich freue mich schon auf Ihren nächsten durchdachten, wohlformulierten Beitrag unterm feigen Schutz der Anonymität.

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