Guten Morgen, Uli Maly

von André Freud

In der Abendzeitung wird eine freundliche Home-Story mit Ihnen und Ihrem Fürther Kollegen gebracht. Mit Spargel, vielfach wiederholten grün-weißen und rot-schwarzen Mätzchen. Bevor ich zu den Fragen komme, die zu stellen sind, möchte ich etwas vorweg schicken. Ich nehme Ihnen gegenüber keine beckmesserische, keine bigotte Haltung ein. Ich begrüße es, daß Nürnbergs Oberbürgermeister jemand ist, der Freude an den Genüssen des Lebens hat; Kostverächter sind mir suspekt. Es wäre widersinnig, Ihre Lebensfreude zu kritisieren. Im Übrigen ist es lobenswert, daß Sie zuhause gerne kochen und dies mit einem gewissen Anspruch tun.

Wollen Sie das nicht täglich machen? Viele werden es Ihnen danken: die dann Bekochten, und viele, viele Nürnberger.

Es ist gewiß nicht falsch, einen honorigen Wetteinsatz zu begleichen. Aber warum Sie dazu die Presse groß einluden, verstehe ich nicht nur nicht – es ist hanebüchen. Die Berichterstattung zu Ihrem zehnten Jahrestag im Amt ist Ihnen doch gewiß noch in Erinnerung. Ich vermag mir nicht recht vorzustellen, wie Sie beim morgendlichen Zeitungsstudium zuhause Ihre Familie oder im Amt Ihre Mitarbeiter zusammenriefen, um denen stolz die Via Triumphalis zu zeigen. Die Zeitungen berichteten zwar alle, aber angesichts der recht überschaubaren Ergebnisse dieser zehnjährigen Herrschaft fiel doch jedem Leser vor allem auf, daß da nichts ist. Die Bemühungen insbesondere einer bestimmten, sogenannten Zeitung, Ihr Lob zu singen, gerieten somit unfreiwillig zur Parodie. Aus den Lobgesängen wurde Elegien, Klagelieder.

Nehmen Sie denn nicht wahr, daß es einen eklatanten Unterschied zwischen den Sympathiewerten für den Menschen Uli Maly einerseits und den Noten für den OB Maly andererseits gibt? Der OB Maly hat nach zehn Jahren nicht viel mehr vorzuweisen als den (gar nicht von Ihnen zu vertretenen) Erfolg, daß die WM 2006 auch in Nürnberg friedlich war und blieb, und daß der Streit mit den Partnern in der Metropolregion verringert wurde. Das ist doch armselig, das ist doch ins Auge springend unzureichend. Wären Sie 2002 mit dem Versprechen angetreten, daß Sie zehn Jahre später diese beiden Banalitäten als ihre größten Erfolg würden vorweisen können – ob Sie wohl gewählt worden wären? Gewiß nicht.

Es wird Zeit, sich der Frage zu stellen, ob das so weitergehen kann. Ich denke: nein, und ich mache Ihnen zwei konkrete Verbesserungsvorschläge:

  1. Weisen Sie Ihren Mitarbeiter für Öffentlichkeitsarbeit an, keine solchen Steilvorlagen mehr zu produzieren. Wenn der OB viele Erfolge hat, dann sind Home-Stories das Sahnehäubchen der Öffentlichkeitsarbeit. Wenn es aber bei den Erfolgen eher mau aussieht, dann sind Home-Stories eher aufreizend – und helfen gewiß nicht weiter.
  2. Wägen Sie ab, ob es nicht vorzuziehen wäre, mehr Freude unter die Menschen zu bringen. Das Rezept ist einfach: mehr kochen, weniger verwalten.

Herzlich grüßt Ihr freundlicher Ratgeber.

 

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