Näher am Menschen (2)

von André Freud

Ein Sonntag im Mai. Die Sonne scheint, es ist rechtschaffen warm, beinahe heiß. Im Nürnberger Westen, unter dem Quelle-Turm, findet die Muggeley statt, ein Stadtteilefest. Diese Stadtteile sind nicht dafür bekannt, daß bei ihnen das Geld zuhause wäre, daß in ihnen die bessere Schichten von Stand und Bildung lebten. Muggenhof, Eberhardshof, Doos, Ley, Höfen, Gaismannsdorf – das sind nicht nur, aber mehrheitlich Stadtteile, die man freundlich umschreibend als „Herausforderung“ bezeichnen kann: viel Arbeitslosigkeit, viel Hartz IV, viele schlecht integrierte Immigranten, viele Alleinerziehende – ja, das sind schon Herausforderungen für die Politik. Hier wird viel verlangt. Eigentlich, so sollte man meinen, das richtige Umfeld für die verantwortungslosen Protestparteien, für die Neidparteien, für die ewig Unzufriedenen. Sollte nicht gerade hier die Ernte der extremen Linken gedeihen? Sollte hier nicht sogar das Rechtsextreme sein häßliches Haupt erheben?

Das Fest wurde von Bürgervereinen, von Kindergärten, von vielen verschiedenen Gemeinschaften vorbereitet und organisiert. Äthiopisches Cafézelt, Arbeiterwohlfahrt, Don Bosco, evangelische Kirchengemeinde, laotischer Kulturverein, ein griechischer Verein und viele, viele andere. Es war bunt, wie diese Stadtteile bunt sind. Es war ein freundliches, ein fröhliches Fest.

Und die Parteien? Die SEDPDSLinkspartei hat sich nicht blicken lassen. Erichs Erben sind ohnehin in Bayern nie recht erfolgreich gewesen, und sie sind insgesamt dabei, sich selbst zu zerlegen – was für die Demokratie gut ist. Na gut, könnte mancher jetzt denken, aber die Piraten, die haben sich doch blicken lassen? Fehlanzeige. Die tauchen nirgendwo in Nürnberg auf, wo sie auch mal Rede und Antwort stehen müßten. Die Grünen waren da, die SPDler und wir von der CSU. Bei allem politischen Streit – der sein soll und sein muß – will ich nicht anstehen, auch einmal zu bekunden: Engagement ist wichtig. Bevor sich einer nicht engagiert, soll er sich lieber bei einer Partei engagieren, deren Ansichten ich zwar nicht teile, der ich aber zugutehalten muß, daß ihre Mitglieder sich mehrheitlich um eine Verbesserung der Lebensumstände bemühen. Mir ist es, offen gestanden, lieber, einer engagiert sich beim politischen Mitbewerber, als daß er bloß daheim hockt und große Reden voller Unzufriedenheit schwingt. Und außerdem kann ja auch aus einem Sozi noch ein ordentlicher Schwarzer werden… Nichts für ungut, Genossen!

Da war ich schon ein bißchen stolz auf meine Partei. Der Ortsvorsitzende hat sich in tagelanger Arbeit darum gekümmert, daß der Stand nicht so aussah wie vom letzten Wahlkampf liegengeblieben, sondern proper war und etwas her machte. Kleinigkeiten? Mag sein, aber dahinter steckt viel Arbeit und auch der eine oder andere privat ausgegebene Euro, für den sich nie einer bedankt. Dahinter steckt ein Klopfen an allen möglichen Türen, damit man mit all dem Material aufwarten kann, das vom Publikum erwartet wird und das einem auch in der CSU nicht einfach frei Haus geliefert wird, sondern das man durch Anrufe bei den verschiedenen Abgeordneten, auf der Geschäftsstelle und wo überall sonst Mitstreiter anzutreffen sind, mühsam organisieren muß.

Wäre die CSU eine Partei wie alle anderen, dann wäre jetzt ein langer Tag gekommen. Zettel verteilen, Antwort stehen, Versuche, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen, zu hören, wo der Schuh drückt – vor allem dann, wenn man helfen kann. Das macht Freude, es ist eine wichtige, eine sinnvolle Arbeit. Und zwischendurch vielleicht einmal ein kurzes, heftiges Wortgefecht mit einem, der einem quer kommt – warum nicht? Auch das gehört zur politischen Arbeit.

Bei der CSU aber kommt noch etwas hinzu: unsere Prominenz. Finanzminister Markus Söder, die Bundestagsabgeordneten Dagmar Wöhrl und Michael Frieser, der Bezirkstagspräsident Richard Bartsch, dann kamen die Stadträte Andrea Loos, Kilian Sendner und Michael Brückner, und bestimmt war noch manch anderer da.

An anderer Stelle schrieb ich bereits, daß kaum ein Satz für einen CSU-Funktionsträger so riskant ist wie „Der kennt seine Leut‘ von früher auch nicht mehr“. Abgehobenheit wird nicht geduldet. Wenn einer „Grüß Gott, Herr Minister“ sagt, dann gucken sich alle um – bis man merkt, daß der Markus Söder angesprochen war, den hier jeder Markus nennt und duzt. Dagmar Wöhrl hat eine solche Freude daran, Kindern Luftballons und Popcorn zu geben, daß vier Paar fleißige Hände kaum damit nachkommen, die Ballons zu befüllen. Der zweite, wie Dagmar Wöhrl direkt gewählte, Nürnberger CSU-Bundestagsabgeordnete Michael Frieser steht bereitwillig jedem Foto-Wunsch zur Verfügung. Keiner kommt „mit Begleitung“, alle sind für jedermann ansprechbar, und das wird auch genutzt. Die Leute haben Sorgen, Fragen, Vorschläge, Beschwerden. Und sie freuen sich darüber, das alles mal einem der Großkopferten erzählen zu können. Denn dafür, so meinen sie, sind die schließlich auch da, dafür sind sie gewählt. Und recht hat, wer so denkt. Natürlich ist der Wert solcher Begegnungen beschränkt, aber es ist wertvoll, daß es sie gibt. So mancher findet dann den Weg ins Abgeordnetenbüro, manches Problem kann gelöst werden – und manchmal ist es nicht das geringste, wenn einem endlich einmal zugehört wird. Auch und gerade diese „soft skills“ sind für Politiker etwas ausnehmend wichtiges. Keiner unserer Mitbewerber hat auch nur annähernd so viele Mandatsträger aufgeboten wie wir. Näher am Menschen? Ja.

Bis zu den Wahlen sind es noch anderthalb, zwei Jahre. Wenn sich beinahe alle Nürnberger „big shots“ der CSU am einzigen üblicherweise freien Tag die Zeit nehmen und ein solches, kleines, außerhalb der Stadtteile nicht wichtiges Fest besuchen, dann sagt das etwas über diese Politiker und über ihre Partei aus. Da stehen wir von der CSU einfach anders da als die anderen. Uns wird man in den Wahlkämpfen 2013, 2014 sicher nicht vorwerfen können, daß wir nur dann auftauchen, wenn wir vom Wähler ein Kreuz wollen. Bei uns stimmt der Werbespruch: Näher am Menschen.

Bilder: Freud

 

Es ist klar: Wer an dieser Stelle die übliche Philippika erwartet hat, findet diesen braven, schulaufsatzähnlichen Beitrag womöglich etwas läppisch. Dem aber sei entgegengehalten: die rhetorisch scharfe Auseinandersetzung ist die Kür, aber die tägliche Basisarbeit ist die Pflicht – und ohne Pflicht gibt’s keine Kür. Es ist richtig und notwendig, einmal ein Plädoyer für die Basisarbeit zu halten. Es ist richtig und wichtig, uns CSUlern selbst, aber auch den anderen klarzumachen, wer wir sind, wofür wir stehen und warum wir in Bayern die erfolgreichste Partei sind. Dieser Beitrag hat nun also nicht die Schärfe zu bieten, die sonst hier angeboten wird, aber es ist doch auch wichtig. In diesem Sinne!

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