Guck mal an, der Söder

von André Freud

Jeder, der klar sieht, weiß: die Messe ist einer der wichtigsten Faktoren der Wirtschaft Nürnbergs, der gesamten Metropolregion. Die Messe und der Flughafen sind untrennbar miteinander verbunden, aufeinander angewiesen. Das weiß jeder, aber nicht jeder zieht die richtigen Schlüsse daraus. Da sind unsere Ökopaxe, die am liebsten jeden Flugverkehr abschafften und uns wieder über Feldwege wandern ließen – die sind zwar an sich nicht ernstzunehmen, aber ihre Gedanken haben auf größere Teile der Bevölkerung insofern Auswirkungen, als eine gewisse Technikfeindlichkeit befeuert wird, was wiederum zu falschen Entscheidungen führt, zu sogenannten „Denkpausen“. Wir erleben das in Nürnberg aktuell an mehreren Fragestellungen, die sich rund um den Flughafen ergeben.

Nun kam heute morgen auf Facebook vom bayerischen Finanzminister und CSU-Bezirksvorsitzenden, dem Söder Markus, eine kurze Nachricht: „Bin in Istanbul. Starten Partnerschaft zwischen der Messe und dem Flughafen Nürnberg, sowie Turkish Airlines.“ Ach. Mal wieder: die Schwarzen gestalten, während die Roten verwalten. Söder hat erkannt, daß der Nürnberger Flughafen nicht alleine auf AirBerlin setzen darf. Die sind zwar für einen Gutteil der Starts und Landungen verantwortlich, aber ob und wie lange sie bleiben, wenn die Berliner ihren angeblichen Hauptstadtflughafen nächstes Jahr oder irgendwann einmal tatsächlich in Betrieb nehmen sollten, das weiß man nicht. Was also macht ein guter Wirtschaftspolitiker, in Zusammenwirken mit dem Nürnberger Wirtschaftsreferenten Fraas – der (wohl kaum zufällig) ebenfalls zur CSU gehört? Richtig: man macht aktive Politik, um die Dinge zu verbessern. Die Sozis machen dann doch eher wie üblich ein langes Gesicht, verweisen auf mehr Ruhe am Irrhain, loben die zunehmende Beschaulichkeit im Knoblauchsland und fragen ansonsten in München und Berlin an, ob man nicht bittschön ein wenig mehr Transferzahlungen nach Nürnberg haben könnte, um den Ausfall Nürnberger Leistungsfähigkeit auszugleichen. Nein, Genossen, das ist falsch. Richtig ist es, Nürnbergs Leistungsfähigkeit zu stärken.

Wenn es Söder gelingt, hier mit einer guten Vereinbarung zurückzukommen, dann ist das ein schöner Erfolg für unsere Stadt, für die Metropolregion. Es ist dies exakt die Aufgabe eines Politikers: sich um das richtige zu bemühen. Mit der Zeit wird sich der Erfolg einstellen. Es ist genau dies der Grund, warum wir Schwarzen als Macher wahrgenommen werden, und die Roten oft nur noch als Trauerklöße. Bei uns wird am Wohlstand, an einer guten Entwicklung gearbeitet – was im Bund, im Land dazu führt, daß Deutschland nicht nur einer der wohlhabendsten Staaten der Welt ist und Bayern dessen florierendstes Bundesland, sondern auch, daß bei uns Politik gemacht wird, die zu Zuversicht Anlaß gibt. Wir haben aber keinen Anlaß, in das ewige Klagen und Nörgeln zu verfallen, das sachlich in unserem Land beim besten Willen nicht gerechtfertigt und das so furchtbar typisch ist für Leute, die einen dicken Schinken unterm Arm haben, sich aber darüber beklagen, kein Brot zu haben.

Nürnberg hat vieles zu bieten. Wir sind für türkische Unternehmen, die auf der Messe präsent sein wollen, Ziel vieler Aktivitäten. Mit seiner starken türkischen Community und vielen Touristen ist der Nürnberger Flughafen ein wichtiger Drehpunkt für den Flugverkehr in die Türkei. Das ist auch für eine türkische Fluggesellschaft ein wichtiger Punkt. Söder sieht das, und zieht daraus die richtige Erkenntnis: hinfliegen – ab Nürnberg, natürlich – und mit den Leuten reden; sie davon zu überzeugen, was Nürnberg ihnen zu bieten hat und so zu einer Vereinbarung zu kommen, die beiden nützt. Mal wieder gilt: Gut gemacht, Söder.

Bild: Freud

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2 Kommentare

  1. Peter Viebig sagt:

    Sorry, gegen Ökopaxe anzuwettern, das ist ein Nachhutgefecht. Klar, es geht um Fortschritt. Der bedeutet aber auch, dass nicht jeder Geschäftsreisende persönlich zu einem Meeting nach sonst wohin fliegen muss, sondern sich vielleicht einfach nur – beispielsweise via Hangout – einlocken muss. Die Entwicklung im Netz wird viele Reisen überflüssig machen. Wer sich mit Fortschritt beschäftigt, müsste das eigentlich erkennen. Wer nur alte Streitigkeiten gegen Grüne pflegen will, der checkt das freilich nicht. Und selbst, wenn diese Gefechte zurzeit vielleicht noch angebracht sein sollten, in zehn oder zwanzig Jahren, wenn die jetzigen Planungen endlich mal umgesetzt werden, sind sie es bestimmt nicht mehr. Deswegen sollte man sich auf der Fortschrittsskala doch bitte etwas weiter vorne bewegen.
    Im übrigen funktioniert die Kommentarfunktion immer noch nicht richtig. Das Fenster ist für längere Texte zu klein.

  2. Daß das Netz Reisen überflüssig macht, ist ein Gedanke, vielleicht eine Hoffnung, aber es ist nicht real – im Gegenteil. Wie eben auch durch eMails nicht weniger, sondern mehr Papier verbraucht wird, so sind Reisen, persönliche Begegnungen im Geschäftsleben von unverzichtbarer Bedeutung. Geschäftsreisen finden schon seit 20 Jahren nicht mehr statt, um Informationen auszutauschen – das besorgen Telefon, Fax, eMail, Post und Lieferdienste. Wäre Kommunikation nur dieses, dann würde die Aussage stimmen. Aber Kommunikation ist mehr, und deswegen nehmen die Geschäftsreisen nach wie vor zu, und sie nehmen vor allem dort zu, wo die Menschen das Netz zur Kommunikation wirklich nutzen.
    Was die Frage der Konflikte mit den Ökopaxen angeht: Na, ich weiß ja nicht, ob das wirklich so von gestern sein soll. Denk ich an Stuttgart in der Nacht… In anderer Hinsicht ist es doch aber so, daß die Bedenken gegen München III oder den erhaltenden Ausbau Nürnbergs insgesamt von einer ähnlichen Motivlage geprägt sind, die kurz gefaßt werden kann unter dem Stichwort „Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht naß“: die Leute erwarten die Vorteile einer Stadt mit Flughafen, wollen aber die damit untrennbar verbundenen Nachteile nicht hinnehmen. Man kann aber eben nicht alles haben wollen. Und dieses Denken bestimmt die Motive der Gegner, denke ich. Mir reicht der Platz hier übrigens…

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