Glaube, Liebe, Hoffnung

von Eisheiliger

Am heutigen 15. Mai ist „kalte Sophie“. Im Bild sieht man sie mit ihren „Kindern“: Glaube, Liebe, Hoffnung.

Anlaß genug, einmal Umschau zu halten, ob Glaube, Liebe, Hoffnung vielleicht in der Lokalpolitik Einkehr hielten.

I. Die NN als peinliche SPD-Progagandapostille

Heute in den NN, Seite 10: Ein Bild für die Götter. Die angeblich roten Karten sind orange geraten. Da ich nicht an eine Rot-Grün-Schwäche des langgedienten Hausphotographen Matejka glaube, ist es schon wahrscheinlicher, auf einen Mangel an roter Farbe in der NN-Druckerei zu hoffen – kann schon mal vorkommen, wenn man so oft so vieles so rot einfärbt. Ich bezweifle jedoch, daß es Aufgabe einer sich Zeitung nennenden Publikation ist, ein gestelltes Bild zu zeigen, in dem alle Beteiligten eine orangene Karte in die Kamera strecken, dabei aber freundlich lächeln – ein etwas dämlich wirkender Widerspruch: einerseits das allzeitbereite, glatte Politikerlächeln, andererseits das drastisch gemeinte Zeigen der „roten“ Karten.

Nun kann man für das Betreuungsgeld sein und man kann dagegen sein. Ich bin der Meinung, daß es auf beiden Seiten akzeptable Argumente gibt und daß es letztlich eine Frage der ideologischen Weltanschauung ist (die manche Politiker erfreulicherweise noch haben), welchen Argumenten man sich anschließt. Über all das ist im Rahmen einer redlichen Berichterstattung zu berichten. Wer sich jetzt fragt, warum im vorangegangenen Satz ein Wort kursiv geschrieben wurde, der muß von ganz weit weg sein. Die Haltung der NN, die sich gerade in (Vor-) Wahlkampfzeiten nicht einmal mehr den Anschein einer um Objektivität wenigstens halbwegs bemühten Arbeit gönnt, wird hier nur wieder allzu deutlich offenkundig. Aber so ist das eben, wenn man in einer geistig hermetisch abgeriegelten Welt lebt, in der grundsätzlich alles, was von den Schwarzen kommt, als Teufelswerk, und alles, was von den Roten kommt, als Gottes Beitrag wahrgenommen wird. Hier wird viel geglaubt, wenig geliebt und so manches gehofft, aber ach, es ist doch alles vergebens. Die NN blamiert sich wieder einmal, so gut sie kann (und sie hat darin schon eine gewisse Meisterschaft erlangt). Wie aber sollte es anders sein, wenn man nur untereinander verkehrt, sich ständig gegenseitig bestätigt, eine Art besserer Mensch zu sein, sich gegenseitig der Richtigkeit der eigenen Weltanschauung versichert? Dann entsteht eben dieser leicht autistisch getrübte Blick, dann wähnt man sich in einer Welt, in der alle Andersdenkenden mindestens doof, wahrscheinlich aber sogar bösartig sind, und findet dann nichts mehr dabei, sich gegen die Andersdenkenden auf diese Weise zur Wehr zu setzen. Ich halte das tatsächlich für möglich, daß man dieses Verhalten innerhalb der NN gar nicht als einen aggressiven, diffamierenden Akt sieht, sondern als eine Art heroische Selbstbehauptung. Man fragt sich nur: wie können manche wirklich und ohne Schamesröte im Gesicht von sich noch sagen, sie würden als Journalisten arbeiten? Es handelt sich hierbei doch eher um Werbeagentur-Dienstleistungen.

Interessant aber ist auf diesem Bild das zur kalten Sophie und ihren Themen Glaube, Liebe, Hoffnung passende, das man erkennt, wenn man sich die Bildkomposition ansieht. Da stehen sie alle im Vordergrund, unsere wackeren SPD-MdB, MdL, und natürlich auch unser aller, haltenzugnaden, Prinzregent, der Maly Uli. Sieben Köpfe stehen vorne, einer steht dahinter und scheint sie alle zu überragen. scheint sie zu dirigieren: Christian Vogel, der Spaßmacher aus der Sesamstraße. Schneewittchen und die sieben Zwerge? Nein, das paßt nicht. Die sieben Raben? Ein schönes Märchen von den Grimms, aber auch hier drängt sich eine Allegorie nicht auf. Wie aber wäre es mit dem Wolf und den sieben Geißlein? Das setzt schon eher Analogien frei… – aber dazu ein andermal.

II. Utz W. Ulrich

Vergangenen Freitag wetterte Stadtrat Utz W. Ulrich in der Kulturausschuß-Sitzung gegen ein Gedenken an die Nazi-Bücherverbrennung; dabei waren Ergüsse zu hören wie „das waren doch nur ein paar Betrunkene“, man solle sich nicht dauernd selbst anklagen, und auf der undistanzierten Verwendung des Wortes „Reichskristallnacht“ beharrte er trotz sofortigen Protests. Die Wortprotokolle der Sitzung werden alsbald für Klarheit sagen, was Ulrich genau sagte, und sie werden dadurch für neue Fragen sorgen. Liebe unter den Menschen? Da muß man bei Utz W. Ulrich schon stark glauben, um hoffen zu können.

Klare Ansage: die Geschichte der eigenen Stadt ist keine Frage von gut oder schlecht, von schön oder häßlich. Wer sich mit dieser Geschichte befaßt, hat alles so hinzunehmen, wie es nun einmal wahr. In Nürnberg sind großartige Dinge geschehen, sind beeindrucke Leistungen vollbracht worden, und haben Menschen gelebt, deren Namen zurecht noch immer gerühmt wird. Es gilt aber auch: in Nürnberg sind schändliche Dinge geschehen, ist schandhaftes vollbracht worden, und haben Menschen gelebt, deren Namen zurecht noch immer mit Abscheu genannt wird. Es gehört beides zusammen, man kann nicht sich des Guten rühmen, ohne wegen des Schändlichen beschämt zu sein. Weder ist es gut, nur auf die schlimmen Aspekte zu verweisen, noch wäre es gerecht, nur das Löbliche zu nennen und das andere verschweigen zu wollen. Es geht ja eh nicht; wir leben in Zeiten, in denen Wissen nicht mehr unterdrückt werden kann, und wir sollten froh darüber sein. Deswegen also: laßt der Erinnerung den gerechten Raum. Der stolzen, reichsstädtischen Vergangenheit gehört Raum eingeräumt, den furchtbaren zwölf Jahren nationalsozialistischer Diktatur ebenfalls. Das bedingt auch Räume, Gebäude, Standorte des Erinnerns. Die Kaiserburg erinnert – bald schöner als zuvor – an eine lange, gute Periode der Stadtgeschichte, eine kleine Plakette oder etwas ähnliches auf dem Hauptmarkt nächstes Jahr, zur 80. Wiederkehr, an das schändliche Schauspiel der Bücherverbrennung. Unsere Bürger, unsere Besucher werden sich schon selbst raussuchen, was sie interessiert. Und ob es uns nun paßt oder nicht: bei Google ist der häufigste Begriff, nach dem unter „Nürnberg“ gesucht wird, nach wie vor das Wort „Nationalsozialismus“. Ob man das gut findet oder nicht, ist ganz belanglos. Wir müssen mit der Welt leben, wie sie ist, und können nur sukzessive hoffen, sie zu verändern, wo sie uns nicht paßt. Wir sind ganz gut darin, mit unserer Geschichte umzugehen. Auch OB Maly wird einsehen, eines nicht mehr ganz so fernen Tages, wie ich glaube und hoffe, daß er sich nicht hinstellen kann und überall dort eine Gedenkstätte schafft, wo es nicht weh tut, personell und vom Ort her, und sich überall der Vergangenheit entheben will, wo es eben doch einmal weh tun könnte, vor allem in der Lokalgeschichte. Ein aufgeklärter Geist hat kein Bestreben, der Geschichte auszuweichen – damit zementiert man sie und erreicht das Gegenteil des Gewollten. Ein aufgeklärter Geist bekennt: „So und so ist es gewesen, aus den guten Zeiten unserer Geschichte wollen wir lernen, was wir besser machen können, und aus den schlechten Zeiten wollen wir lernen, was wir nie wiederholen dürfen“. Alles andere ist letztlich eine Unredlichkeit gegenüber der eigenen Vergangenheit.

 

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