Wenn der Schein die Mittel heiligt

von André Freud

 

An dieser Stelle war es bereits erforderlich, mit der Meinungsmache von Claudine Stauber Abrechnung zu halten. In den NN von heute setzt Frau Stauber ihre garantiert nicht vom leisesten Bemühen um Objektivität angekränkelten Versuche fort, die lokale CSU und ihre Köpfe so schlecht dastehen zu lassen, daß dagegen die SPD und deren Köpfe sogar halbwegs gut auszusehen scheinen. Scheinen, wohlgemerkt.

„Allmächd“, ist die Rubrik überschrieben. Ja, in der Tat, Frau Stauber: Allmächd, möchte man ihnen zurufen, hören’S doch mit dem Blödsinn auf. Da wird zunächst die Legende von der angeblich schlecht besuchten Seehofer-Facebook-Party im P1 verbreitet. Die war aber gar nicht schlecht besucht, es waren 1500 Gäste da – und wer das P1 kennt (in meinem Fall: von viel, viel früher), der weiß: die paßten gar nicht rein, die lösten sich nacheinander ab. Aber was stört das eine Frau Stauber? Die will ja nicht berichten, die will Propaganda treiben. Und sie will ablenken – ablenke von der Tatsache, daß Markus Söder so eine Party vorbereitet, aber von der SPD in dieser Hinsicht und wie üblich nichts zu sehen ist. Feigheit vor dem Wähler?

Auch ohne Feldversuch dürfte eine Sache sogar vom politischen Gegner anerkannt werden: der Herr Maly, haltenzugnaden, ist so analog wie Andreas Urschlechter selig es war – der Urschlechter allerdings hatte eine Ausrede, warum er nicht im Internet war: es gab noch keines, und außerdem war er ein guter Oberbürgermeister. Wenn der Maly – der starke Sozi vor Ort – zu einer Facebook-Party einlädt, dürften gefühlt zwei Dutzend Leute kommen, Hofberichterin Stauber vorneweg, Seiner Majestät Grobian Raschke hinterher. Wenn der Söder – der starke Schwarze vor Ort – seine Facebook-Party macht, dann wird die ein Erfolg werden, und man muß die Gäste nicht mit Hinweis auf Parteidisziplin herankarren. Das dürfte niemand ernstlich bestreiten.

Nürnberg hat (unter anderem) zwei grundsätzliche Probleme, die beide unter dem Stichwort „Facebook-Party“ sichtbar werden:

  1. Die regierende SPD ist weit weg von den Menschen und abgehoben, der OB ein entrückter Lächler
  2. Nürnberg wird altbacken verwaltet, nicht bürgernah gestaltet

Damit ich nicht mißverstanden werde: so eine Facebook-Party löst kein einziges Problem. Aber sie kann ein Werkzeug sein, Menschen für die Politik, für die eigene Stadt zu interessieren, sie zum Engagement einzuladen. Da ist es wichtig, daß die Nürnberger, gerade die jungen, einen Eindruck bekommen davon, wer das eigentlich ist, der da bei der Wahl für seine Partei ihre Stimme haben will. Sie zeigt der veranstaltenden Partei, wie sie wahrgenommen wird. Sie ermöglicht dem Protagonisten, sich Menschen vorzustellen, die er sonst kaum direkt erreichen kann. Insofern ist so eine Facebook-Party schon etwas Gutes, etwas Sinnvolles – für jede politische Partei. Und jetzt laßt uns alle mal gemeinsam überlegen, warum die CSU die einzige ist, die derlei in diesem Stil macht. Laptop-Lederhose-Image? Mag sein. Weil der Schwarze an sich auch gerne feiert und dazu nicht in ein Selbsthilfemitmach-Café mit eingebauter Tristesse gehen muß? Vielleicht ist auch das wahr. Vor allem aber, weil wir es können.

Und wer, werter Leser, wird wohl sogleich nach Öffnung der Türen kommen, Platz nehmen und begierig darauf warten, was so geschehen wird? Richtig: Claudine Stauber, die Nina Ruge unserer armen Stadt Nürnberg, die Provinz-Party-Palaverin. Damit sie anderntags wieder irgendwelche Geschichtchen wird schreiben können, deren Wahrheitsgehalt recht überschaubar ist, aber deren politischer Zweck ins Auge springt. Nein, Claudine Stauber, das ist sicher nicht die Form von Journalismus, derentwegen Sie sich seinerzeit für diesen Beruf entschieden. Aber fassen Sie sich, seien Sie ganz entspannt. Im Gegensatz zu Ihnen, die so wacker über Facebook schreibt, ist Markus Söder bei Facebook für jedermann zu finden. Ich bin mir sicher, daß Sie auch eine Einladung bekommen. Und dann klicken Sie wohl kaum auf die „Ignorieren“-Taste. Wetten, daß…?

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